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Fehlerhafte Schmerzhemmung bei komplex-regionalem Schmerzsyndrom

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), Meike Drießen, 08.10.2009

Förderpreise für Schmerzforschung an Erlanger Forscher verliehen

Patienten mit komplex- regionalem Schmerzsyndrom (CRPS) tut schon die
Berührung mit einem Wattebällchen weh. Die zugrundeliegenden
Mechanismen der Schmerzverarbeitung haben Dr. Frank Seifert und Georg
Kiefer (Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg) untersucht. Sie fanden
heraus, dass es möglicherweise eine Veranlagung gibt, die das CRPS-
Risiko erhöht. Beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin wurden sie
dafür mit dem mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis der Kategorie
Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2009
ausgezeichnet.

Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum
Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

Wie sich der Körper an Schmerzreize anpasst

Der Körper ist in der Lage, die Verarbeitung von Schmerzreizen
anzupassen. Im Rückenmark und Hirnstamm ist über verschiedene
Mechanismen sowohl eine Verstärkung als auch eine Abschwächung der
Weiterleitung von Schmerzreizen aus dem Körper ins Gehirn möglich.
Diese so genannte endogene Schmerzmodulation untersuchte die
Arbeitsgruppe an 27 Patienten mit CRPS und gesunden Kontrollpersonen.
Bei CRPS zieht eine eigentlich harmlose Verletzung an Hand oder Fuß
schwere Folgen nach sich: Durchblutungsstörungen, Ödeme,
Hautveränderungen, Schmerzen und schließlich Funktionseinschränkungen.

Wiederholte schmerzhafte Reize auf den Handrücken

Die Forscher verabreichten allen Probanden wiederholt schmerzhafte
elektrische Reize auf den Handrücken. Dies führt normalerweise
gleichzeitig zu einer Gewöhnung an diesen Reiz, d.h. zu einer
verminderten Schmerzreizverarbeitung, und zu einer verstärkten
Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Reizen. Sie stellten fest, dass
bei CRPS-Patienten an beiden Händen, der betroffenen und der nicht-
betroffenen, der Gewöhnungseffekt weniger stark messbar war als bei
Gesunden. Außerdem waren die Areale mit stärkerer Empfindlichkeit
gegen mechanische Reize an der CRPS-betroffenen Hand vergrößert.
Diese Befunde weisen auf eine veränderte Aktivität der endogenen
Schmerzmodulation bei CRPS-Patienten hin, folgern die Preisträger. Da
die Veränderung nicht mit der Dauer oder der Schwere des CRPS in
Verbindung standen, vermuten sie in einer veränderten
Schmerzmodulation einen von vorn herein vorhandenen Risikofaktor für
CRPS.

Aktive Arbeitsgruppe

Beide Forscher sind an der Neurologischen Universitätsklinik Erlangen
Mitglieder einer auf dem Gebiet des Schmerzes sehr aktiven
Arbeitsgruppe, die von Privatdozent Dr. med. Christian Maihöfner
geleitet wird. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich seit Jahren mit den
Ursachen und neuen Therapieansätzen für Nervenschmerzen.

Kontakt

Arbeitsgruppe Neuropathischer Schmerz: Dr. med. Frank Seifert, Georg
Kiefer, PD Dr. med. Christian Maihöfner, Neurologische Klinik,
Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, 91054
Erlangen, Tel. 09131 / 853-4466, E-Mail: frank.seifert@uk-erlangen.de,
georg.kiefer@uk-erlangen.de, christian.maihoefner@uk-erlangen.de


aus dem Newsletter Nov-09 von Physioweb.de
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Text zuletzt bearbeitet / freigegeben am 27.10.2009 von:
Roland Bruzek

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