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Knie- und Hüftgelenkersatz, 40 Mil. EUR Einsparpotential

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften, Medizin - Kommunikation, 29.07.2010 15:09

Orthopäden und Unfallchirurgen fordern Transparenz bei Knie- und
Hüftgelenkeingriffen

Berlin - Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie
(DGOU) fordert mehr Informationen über die Versorgung von Menschen,
die ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk erhalten. Ein Gelenkersatz
ist der letzte Ausweg, wenn Bewegungen dauerhaft eingeschränkt und
schmerzhaft sind. Viele Menschen leiden darunter. Es sei wichtig, die
Ursachen für die steigende Anzahl von Betroffenen zu erforschen und
die Qualität der durchgeführten Operationen zu überprüfen, so die
medizinische Fachgesellschaft in einer aktuellen Stellungnahme.

Die DGOU fordert deshalb seit Jahren ein Endoprothesenregister, das in
anderen europäischen Ländern die Anzahl von Nach-Operationen gemindert
und zu einer deutlichen Kosteneinsparung geführt hat. Auch
Präventionsangebote bei beginnenden Gelenkschäden könnten Betroffenen
helfen, eine spätere Gelenkersatzoperation zu vermeiden.

In Deutschland erhielten im Jahr 2009 rund 209 000 Menschen ein neues
Hüft- und rund 175 000 Menschen ein neues Kniegelenk. ?Wir beobachten
diesen Bereich in der orthopädisch-unfallchirurgischen Versorgung seit
Jahren mit großer Sorgfalt?, betont Professor Dr. med. Fritz Uwe
Niethard, Generalsekretär der DGOU. Die Anzahl der durchgeführten
Operationen nimmt seit Jahren zu. Das liegt zum Teil am steigenden
Altersdurchschnitt der Deutschen und am technischen Fortschritt der
modernen Operationsmethoden: Diese ermöglichen heute Eingriffe bei
Erkrankten mit angeborenen Gelenkschäden, die früher nicht
durchgeführt werden konnten.

Orthopäden und Unfallchirurgen führen diese Eingriffe aus. Sie
behandeln jedoch auch Menschen, die durch Änderung ihrer Lebensweise ?
mehr Bewegung und gesunde Ernährung ? eine drohende Operation
verhindern könnten. Die DGOU hat Vorschläge für Präventionsprogramme
für solche Fälle erarbeitet, die auf lange Sicht Kosten sparen würden.
Ebenfalls Kosten sparen würde ein Endoprothesenregister. In Schweden
hat es zu einer Halbierung der Revisionsrate bei
Hüftgelenkersatzoperationen und zu einer Senkung der Kosten geführt.
Würden die schwedischen Erfahrungen auf deutsche Verhältnisse
übertragen, ergebe sich bei vorsichtiger Kalkulation ein
Einsparpotenzial von über 40 Millionen Euro, so die Fachgesellschaft.

Bisher nicht erforscht ist, ob sich ein Teil der Eingriffe auch auf
eine Überversorgung beziehungsweise Operationen zurückführen lässt,
die nicht notwendig sind. ?Wir halten es für voreilig, allein aus der
hohen Anzahl von Eingriffen zu schließen, dass ein Teil davon unnötig
sei?, betont Professor Niethard. Die DGOU hat mit der AOK deshalb das
Projekt ?Versorgungsatlas? auf den Weg gebracht, mit dem die
Häufigkeit von ausgewählten Knochen- und Gelenkoperationen in Regionen
gezählt und überprüft werden soll.

Gelenkerhalt und Gelenkersatz ist außerdem ein Schwerpunktthema auf
dem diesjährigen Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
(DKOU) vom 26. bis 29. Oktober 2010 in Berlin. Mehrere Veranstaltungen
werden darüber informieren, wie Gelenke gerettet werden können oder
wann ein künstliches Gelenk die bessere Alternative ist. An vier
Kongresstagen bieten die Veranstalter ein umfangreiches
wissenschaftliches Programm aus dem gesamten orthopädisch-
unfallchirugischen Bereich, berufspolitische Sitzungen sowie Fort- und
Weiterbildungen an.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dgooc.de Stellungnahme der DGOU zur steigenden Anzahl von Hüft- bzw. Kniegelenkersatz-Operationen vom 28.07.2010
http://www.dkou.de Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie, 26. bis 29. Oktober 2010, Berlin



Text zuletzt bearbeitet / freigegeben am 29.07.2010 von:
Roland Bruzek

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