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Neuer Detektor für Stress und Depressionen

aus: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universität Trier, Peter Kuntz, 29.07.2010

Auf rund 65 Milliarden Euro belaufen sich die jährlichen Kosten, die
in Deutschland durch psychische Erkrankungen entstehen. Stress,
Depressionen und Burn-Out haben sich zur Volkskrankheit Nummer eins
entwickelt. Bis zu 90 Prozent der psychischen Erkrankungen werden von
Hausärzten behandelt, die aber die wahren Ursachen häufig nicht
erkennen. Das könnte sich ändern. Einem Forscherteam der Universität
Trier ist es gelungen, ein Set zu entwickeln, das die Auslöser
psychischer und psychosomatischer Beschwerden aufdeckt. Dadurch können
die Krankheiten effektiv behandelt werden.

Stress, Burnout, Depression: Psychische Probleme haben sich zur
Volkskrankheit Nummer eins und zu einem enormen Kostenfaktor für das
Gesundheitssystem und die Arbeitswelt entwickelt. Das Dilemma: Viele
Erkrankte wissen nicht, dass ihre Beschwerden psychisch bedingt sind.
Der Arztbesuch hilft oft nicht weiter. Allgemeinmediziner behandeln
zwar bis zu 90 Prozent aller depressiv Erkrankten, erkennen die
Auslöser aber häufig nicht. Das könnte sich grundlegend ändern. An der
Universität Trier hat eine Forschergruppe unter Leitung des
Psychobiologen Prof. Dirk Hellhammer eine Methode entwickelt, um die
wahren Ursachen solcher Störungen frühzeitig aufzudecken, sodass Ärzte
sie effektiv behandeln können. Patienten in Rhein-land-Pfalz haben als
erste die Chance, das neu entwickelte, aber bereits ausgiebig
getestete ?Neuropattern-Verfahren? kostenfrei und weitgehend
selbstständig anzuwenden. Bei der Behandlung können sie später aktiv
mitarbeiten.

Das Ergebnis von zehn Jahren Forschungsarbeit steckt in einem Karton
der Größe eines Schul-Atlasses: 16 Röhrchen, eine Tablette, ein Mini-
EKG, ein Fragebogen. Mehr braucht es nicht, um psychischen
Erkrankungen auf die Schliche zu kommen. ?Unsere Methode misst
biologische Signale und setzt sie in Beziehung zu psychischen und
körperlichen Stressreaktionen. Unser Ziel ist es, sie zu
diagnostizieren und dabei zu helfen, sie individuell zu behandeln?,
erläutert Prof. Hellhammer das Verfahren allgemeinverständlich.
?Neuropattern ist auch weltweit der erste Versuch, das Wissen der
Grundlagenforschung systematisch in die Patientenversorgung
einzubringen. Wir hoffen, dass auf diese Weise eine nachhaltige
Verbesserung von stresskranken Patienten erreicht werden kann.?

Über teilnehmende Hausärzte, die mögliche Ausschlusskriterien ihrer
Patienten prüfen, kann das Neuropattern-Set angefordert werden. Nach
einer Einweisung führt der Erkrankte die erforderlichen Tests -
überwiegend per Speichelproben - zu Hause durch. Die Auswertungen der
Proben und Messungen dienen als Grundlage für eine erfolgreiche
Therapie. Patienten können die Behandlung aktiv unterstützen. Sie
erhalten Zugang zu einem Online-Service mit individuellen Angeboten
zur Selbsthilfe, die auch Wartezeiten für psychotherapeutische
Behandlungen überbrücken sollen.

Das nun vorliegende Neuropattern II-Set wurde innerhalb von acht
Jahren auf der Basis der Daten von mehr als 2200 Patienten und
Probanden erfolgreich entwickelt. Mit Hilfe von Patienten mit
psychischen und psychosomatischen Beschwerden soll jetzt die Effizienz
der Neuropattern wissenschaftlich belegt werden. Knapp 20 Mediziner im
ganzen Landesgebiet sind Ansprechpartner. Patienten können aber auch
ihren Hausarzt zur Teilnahme an der Studie auffordern.

Wie teuer die Volkswirtschaft Gesundheitsstörungen durch Stress zu
stehen kommen, zeigen einige Zahlen. Rund 65 Milliarden Euro kosten
jährlich Arztbesuche, Medikamente und Fehlzeiten am Arbeitsplatz
aufgrund von Stress und Depressionen. Knapp 38 Prozent aller
Frührentner wurden 2009 in Deutschland wegen psychi-scher Erkrankungen
vorzeitig in den Ruhestand geschickt. 1993 waren es mit 15 Prozent
nicht einmal halb so viele. Auch die Zahl der Krankschreibungen wegen
psychischer Probleme hat sich seit 1990 verdoppelt. ?Das kann sich nur
ändern, wenn psychische und psychosomatische Gesundheitsstörungen
frühzeitig und effizient von den Ärzten behandelt werden, die die
Primärversorgung dieser Patienten durchführen?, sagt Hellhammer.
Ausführliche Informationen und eine Liste der teilnehmenden Hausärzte
gibt es telefonisch werktags zwischen 9 und 17 Uhr unter
0651/201-3680, per Mail: office@neuropattern.de oder im Internet unter
<www.uni-trier.de/index.php?id=5678>.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uni-trier.de/index.php?id=5678 - weitere Informationen.

 


 


Text zuletzt bearbeitet / freigegeben am 29.07.2010 von:
Roland Bruzek

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